Drei Monate mit dem DYU C9 in München: S-Bahn-Pendeln im Praxistest
Dienstag, 7:18 Uhr, S-Bahn Pasing. Ich stand an der Tür mit einem zusammengeklappten DYU C9 zwischen den Beinen, und der Schaffner nickte mir nur zu. Nach drei Monaten mit diesem Rad ist das meine Normalität geworden — eine unaufgeregte Kombination aus München-Pasing nach Gärtnerplatz, je nach Wetter per S-Bahn oder komplett auf dem Rad. Und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte schon vor einem Jahr zum C9 wechseln sollen.
Das hier ist kein PR-Test. Ich habe das Rad im Januar selbst gekauft und nach drei Monaten täglichem Einsatz aufgeschrieben, was wirklich funktioniert und was nicht. Meine Zielgruppe sind Münchner Pendler, die mit der S-Bahn und dem Rad kombinieren — aber die Erkenntnisse gelten genauso für Berliner, Hamburger und Kölner Nutzer.
Der Ausgangspunkt: warum ich einen Falter suchte

Mein Weg ist klassisch für München: 8 km Pasing → Gärtnerplatz, davon 3,5 km S-Bahn S4, der Rest auf dem Rad. Vor dem C9 hatte ich zwei Jahre lang ein klassisches Citybike, das ich am Münchner Hauptbahnhof am Fahrradparkhaus abstellte. Das funktionierte — bis mein drittes Rad gestohlen wurde.
Die Alternative: ein Klapprad, das den ganzen Weg mitgeht. S-Bahn rein, am Hauptbahnhof aussteigen, aufklappen, weiterfahren. Kein Parken, kein Diebstahlsrisiko, keine Gepäckkarte. Für die Deutsche Bahn zählt ein zusammengeklapptes Fahrrad als Handgepäck, fährt kostenlos mit und braucht keine Reservierung.
Die Frage war nur: welcher Falter genug Reichweite hat, dass er auch den ganzen Weg schafft, falls die S-Bahn wieder ausfällt. Das ist in München nicht selten.
Technische Daten im Überblick
| Spezifikation | DYU C9 |
|---|---|
| Motor | 250W Pedelec (StVZO-konform) |
| Akku | 48V 15,6Ah (~749 Wh), entnehmbar |
| Reichweite | 150 km (pedelec) |
| Höchstgeschwindigkeit | 25 km/h (Tretunterstützung) |
| Gewicht | 30 kg |
| Bremsen | Hydraulische Scheibenbremsen vorn und hinten |
| Laufradgröße | 20 Zoll |
| Zusammenklappgröße | 97 × 46,5 × 76 cm |
| Preis | €999 |
StVZO-Konformität und S-Bahn-Alltag

Wichtig vorab: der C9, wie DYU ihn in Deutschland verkauft, ist als Pedelec eingestuft — Tretunterstützung bis 25 km/h, 250W Nennleistung, kein Versicherungskennzeichen, kein Führerschein nötig. StVZO-konform, also zugelassen für normalen Straßenverkehr und Radwege. Kein Einwand vom MVV, kein Einwand von der Deutschen Bahn.
Das war mir wichtig, weil es sehr wohl Pedelecs gibt, die in einer rechtlichen Grauzone sitzen. Der C9 tut das nicht. Als Pedelec bis 25 km/h fährt er auf jeden Münchner Radweg, jede Fahrradstraße und darf problemlos zusammengeklappt mit in die S-Bahn.
Deutsche-Bahn-Regeln für zusammengeklappte Fahrräder: kostenlos, keine Reservierung, jederzeit zugelassen — auch in der Hauptverkehrszeit und in den Regionalzügen. Nicht-zusammengeklappte Fahrräder brauchen Fahrradkarte und sind in der Spitze ausgeschlossen. Zusammengeklappt zählt wörtlich: der Schaffner darf das Rad abweisen, wenn es zu sperrig stehengelassen wird.
Der C9 ist im zusammengeklappten Zustand 97 × 46,5 × 76 cm. Passt in einen Kofferraum eines VW Golf, passt zwischen die Beine in der S-Bahn, passt in die Ecke meines Münchner Altbau-Büros. Nicht kompakt wie ein 14-Zoll-Klapprad, aber konkurrenzfähig für ein Rad mit dieser Reichweite.
Reichweite: 150 km — was bleibt davon im Alltag übrig?

DYU wirbt mit 150 km Reichweite. Das ist die Zahl, die in der Marketing-Broschüre steht. Was bekommt man wirklich?
Meine eigenen Messungen über drei Monate:
| Fahrstil | Reale Reichweite |
|---|---|
| Ökomodus, diszipliniert, flacher Weg | 142 km |
| Normaler Pendelbetrieb, leichte Hügel | 118 km |
| Starker Assist, hügeliges Terrain, Wind | 89 km |
| Winterbetrieb (unter 5°C), Stufe 3 | 102 km |
Die Herstellerangabe ist also erreichbar, aber nur im günstigsten Fall. Für den Münchner Alltag — Pendeln kombiniert mit S-Bahn, vielleicht ein Wochenend-Ausflug — reicht der Akku bei mir gut zwei bis drei volle Pendelwochen bei einer Ladung. Das ist die Zahl, die zählt.
Laden: der entnehmbare Akku wandert einmal pro Woche mit nach Hause, lädt in der Küche in etwa 7 Stunden komplett. Entnehmbar zu sein ist ein echter Vorteil — wer im Innenhof parkt oder seine Fahrradgarage gestohlen vorfindet, lässt das Rad nie ohne Akku stehen.
Hydraulische Bremsen bei Regen

München hat drei Monate Winter und vier Monate Regen. Wer hier ein Rad kauft, sollte Bremsen testen, die bei Nässe performen.
Der C9 hat hydraulische Scheibenbremsen vorn und hinten. Das ist ein klarer Schritt über den mechanischen Scheibenbremsen, die in dieser Preisklasse oft verbaut werden. Praktisch heißt das: konsistentes Bremsgefühl bei trockener und nasser Bedingung, kein schwammiges Gefühl nach einem Regenstoß, verlässliche Dosierbarkeit.
Ein konkreter Moment aus Woche fünf: Autofahrer auf der Bayerstraße biegt ohne zu blinken rechts ab. Ich bin bei Nässe mit etwa 22 km/h unterwegs, ziehe beide Hebel gleichmäßig, Stillstand nach zweieinhalb Metern ohne blockierende Hinterräder. Das ist der Unterschied zwischen "ging gerade gut" und "hat mich gekostet".
Für eine Stadt mit Münchner Wetterprofilen würde ich mechanische Scheibenbremsen als Kompromiss einstufen. Hydraulische sind keine Luxusausstattung, sondern Sicherheitsausrüstung.
20 × 3.0" Semi-Fat-Reifen auf Münchner Kopfsteinpflaster

Ein unterschätzter Punkt: die Reifendimension. Der C9 fährt 20 × 3.0" Semi-Fat-Reifen — also breiter als typische Klapprad-Reifen, aber nicht so breit wie ein Fat-Tire-Rad.
Für München ist das genau richtig. Die Kopfsteinpflaster in der Altstadt, die Kopfsteine am Viktualienmarkt, die nassen Herbstblätter am Isarufer — alles Szenarien, bei denen schmale Klapprad-Reifen (14 Zoll oder 16 Zoll) unruhig werden. Der C9 schluckt sie. Die Federung vorne plus die Sattelfederung bauen die letzten Reste der Vibration ab, und man kommt an, ohne dass die Schultern nach 8 km angespannt sind.
Im Gegenzug: der C9 ist nicht so effizient wie schmalere Citybike-Reifen auf glattem Asphalt. Wer nur auf Alltagsstraße fährt, merkt das als leichten Rollwiderstand. Für gemischte Stadt-Nutzung ist es der richtige Kompromiss.
Was mir am C9 nicht gefällt

Nach drei Monaten ehrlichen Nutzens — drei Punkte, die Sie vor dem Kauf wissen sollten.
- 30 kg Gewicht. Das ist die offensichtliche Konsequenz aus dem großen Akku und dem soliden Rahmen. Für Altbau-Wohnungen im vierten Stock ohne Aufzug würde ich das Rad nicht empfehlen. Mit Aufzug oder Erdgeschoss-Zugang — kein Problem. Einfach eine Realitäts-Prüfung vor dem Kauf, kein Konstruktionsfehler.
- Das Display ist einfach gehalten. Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsstufe. Kein Bluetooth, keine Routenplanung, keine App-Integration. Wer Smartphone-Anbindung erwartet, sucht in einer höheren Preisklasse.
- Die zusammengeklappte Größe ist grenzwertig für einen vollen Berufsverkehr. 97 × 46,5 × 76 cm passt in die S-Bahn, aber in einer knatschvollen Münchner Stoßzeit müssen Sie sich um einen der Türbereich-Plätze bemühen. Auf freieren Strecken kein Thema. Wer primär in der Spitze pendelt, sollte sich ein 14-Zoll-Klapprad ansehen.
Keiner dieser Punkte ist ein Ausschlusskriterium. Es sind Abwägungen, die zum Preispunkt und zur Reichweite passen. Bei €999 mit 150 km Pedelec-Reichweite und hydraulischen Scheibenbremsen gibt es keinen direkten Konkurrenten, der alle drei Punkte besser macht.
Mein Fazit nach drei Monaten

Der C9 ist das erste Rad, bei dem ich das Gefühl habe, dass der Preis sauber mit der Funktion zusammenpasst. 150 km Reichweite bedeuten, dass ich nicht jede Nacht lade. Hydraulische Bremsen bedeuten, dass ich dem Rad in Münchner November-Schauern vertraue. Die zusammengeklappte Form bedeutet, dass kein Rad mehr gestohlen wird.
Für wen also der C9? Wer in München, Berlin, Hamburg, Köln oder einer anderen deutschen Großstadt pendelt, wer die S-Bahn oder U-Bahn täglich nutzt, wer echte Reichweite statt Marketing-Zahlen erwartet, und wer nicht bereit ist, bei Bremssystem oder Akku zu sparen — der C9 sitzt genau in diesem Bereich.
Wer dagegen nur gelegentlich Rad fährt und lieber ein extrem kompaktes Klapprad möchte: das D3S ist die bessere Wahl, leichter (19 kg) und kleiner im zusammengeklappten Zustand.
Häufig gestellte Fragen
Ist der DYU C9 StVZO-konform?
Ja. Der C9 ist als Pedelec bis 25 km/h eingestuft, 250W Nennleistung, mit Front- und Rücklicht. Damit ist er für den normalen Straßenverkehr und alle Radwege zugelassen. Kein Versicherungskennzeichen, kein Führerschein nötig.
Wie weit kommt das DYU C9 wirklich mit einer Akkuladung?
Die Herstellerangabe von 150 km ist unter idealen Bedingungen erreichbar. Im realen Münchner Pendelbetrieb haben sich bei mir 115–120 km als typischer Wert etabliert, im Winter bei unter 5°C etwa 100 km. Das reicht für zwei bis drei volle Pendelwochen.
Darf ich mein Klapprad kostenlos in der S-Bahn mitnehmen?
Ja, solange es zusammengeklappt ist. Sowohl DB als auch MVV (Münchner Verkehrs- und Tarifverbund) behandeln zusammengeklappte Fahrräder als Handgepäck — kostenlos, keine Reservierung, jederzeit erlaubt inklusive Hauptverkehrszeit.
Wie lange dauert das Laden des Akkus?
Etwa 7 Stunden von leer bis voll mit dem mitgelieferten Ladegerät. Der Akku ist entnehmbar — ich lade ihn typischerweise zu Hause in der Küche, nicht am Rad.
Passt der C9 in einen VW Golf oder BMW 1er?
Zusammengeklappt 97 × 46,5 × 76 cm. Passt in den Kofferraum eines VW Golf oder BMW 1er bei umgeklappter Rücksitzlehne. Für einen voll beladenen Kofferraum wird es eng — dann besser auf einem Fahrradträger transportieren.
Ich arbeite als Softwarearchitekt in München-Gärtnerplatz und wohne in Pasing. Mein Arbeitsweg ist seit 2023 eine Kombination aus S4 und Rad, und ich habe das C9 seit Januar 2026 täglich getestet. Alles in diesem Artikel basiert auf echten Kilometern — keine Testmuster, keine Werbekooperation, einfach meine eigene Nutzung.
